Martin Dirks

#Runcop21
Start time:

24 November, 17:09

Distance:

5.1 km, Papenburg, NED

I run for climate justice

Ich laufe. Ich laufe mit einem Stein in der Hand. Ich habe den Stein von einem anderen Menschen übernommen. Er ist vor mir mit dem Stein gelaufen. Wenn ich meinen Lauf beende, gebe ich den Stein an den Menschen ab, der nach mir läuft. Viele liefen vor mir, viele laufen nach mir. Ich werde gefragt, was mich bewegt. Ich frage mich, was mich bewegt. Was bewegt mich, einen Teil eines Weges zwischen zwei anderen Teilen des Weges, mit einem Stein in der Hand zu laufen? Was bewegt mich nach vorn, treibt mich an? Ich frage mich. Ist es Angst vor einer Zukunft, die wir selber dunkel gestalten? Ist es Panik vor Veränderungen der Natur, die wir beobachten? Befürchte ich Krankheiten, Kriege, Armut? Entwurzelte Menschen, die flüchten, weil sie Überschwemmung, Dürre und Hunger vertreibt? Was bewegt mich nach vorn, mit einem Stein in der Hand? Der Stein war schon da, lange bevor der Mensch kam. Über Millionen Jahre wurde er vom Klima geformt. Wurde als Teil eines Felsens zum Felsbrocken, wurde kleiner und kleiner. Sein Weg zum Sandkorn wird länger sein, als der Weg des Menschen auf der Erde. Bewegt mich die Ohnmacht, irgendwann aus dem Sein zu verschwinden? Wehre ich mich mit Protest vor dem unvermeidbaren nicht mehr „Sein“? Erwarte ich durch meinen Protest Veränderung zum Guten? Der Stein ist warm in meiner Hand. Von sich aus ist er kalt. Wärmt ihn die Sonne nicht, ist er kalt und es ist ihm egal. Es ist ihm egal, weil er nicht bewusst ist. Das bewegt mich: Ich bin mir bewusst, also muss ich Protest ausdrücken: Weil ich zu den Menschen gehöre, die den Klimawandel verschuldet haben, treibt mich mein schlechtes Gewissen. Weil ich mich in einer Kette von unzähligen Generationen sehe, treibt mich die Verantwortung in die Kette dieses Weges. Weil es tröstend ist, dass viele einen kalten Stein mit ihren Händen wärmen, treibt es mich, die Wärme weiterzugeben. Ich laufe mit einem Stein in der Hand. Spüre den Boden unter den Füßen. Den Wind im Gesicht. Seitenstechen. Glück. Ein unbestimmtes Gefühl. Hoffen.