Antje Grothus

#runcop21
Start time:

27 November, 13:28

Distance:

4,2 km , Kerpen, DE

I run for my three wonderful daughters

Ich bin Antje Grothus und laufe für meine drei wunderbaren Töchter, die für ihre Zukunft eine intakte Umwelt verdient haben. Ich laufe auch für alle Menschen, die im Braunkohlewiderstand aktiv waren oder noch sind und die heute nicht am Lauf teilnehmen können. Es ist kaum vorstellbar: aber in unserem Jahrtausend, wo wir viele Alternativen haben erneuerbar und sauber Energie zu erzeugen, soll der Wald, durch den die Läufer*innen vor mir gelaufen sind und das Land, auf dem ich nun laufe, sehr wertvolles und fruchtbarstes Ackerland, noch bis hin zu meinem Heimat Dorf Buir vom Energiekonzern RWE weggebaggert werden. Das große Braunkohleloch wird dann, wenn wir RWE nicht aufhalten können, in 10, 20 Jahren ein gigantisches Loch sein: 450 m tief – der Kölner Dom mit seiner Höhe hätte drei mal übereinander Platz dort. Und 8500 ha groß soll das Loch werden: das entspricht 12.000 Fußballfeldern, die Insel Föhr würde mitsamt der benachbarten Hallig Gröde darin verschwinden. Mein Heimatdorf wird dann unmittelbar am Grubenrand liegen. Wir sollen ein „Leben am Loch“ führen: mit den vielfältigen Belastungen für die Menschen, die hier leben, mit Lärm-, Licht-, Grob- und Feinstaub- und radioaktiven Emissionen. Alles was vor dem Loch kommt, hat uns schon jetzt besonders getroffen: die tagebaubedingte Verlegung der sechsspurigen A 4 direkt an den Ortsrand mit Lärm und Abgasemissionen seit 2014 , daneben die Kohlebahn, mit ca. 300 Kohlezügen, die Tag und Nacht an Buir vorbeirattern, es folgen Grundwasserabsenkung, Wertverlust und Bergschäden an unseren Häusern. Das Rheinische Braunkohlenrevier, in dem ich lebe, ist durch den Braunkohletagebau und die Kraftwerke der hot spot der CO2 Emmissionen. Der Energiekonzern RWE ist Betreiber von drei großen Tagebauen und vier Kraftwerken und ist hauptverantwortlich für den Klimawandel. Einerseits drängt die Zeit, und wir müssen „Rennen wie ein Buffalo“, denn die Folgen, die der Klimawandel nach sich zieht, werden zunehmend unkalkulierbarer und unbeherrschbarer. Andererseits brauchen wir hier vor Ort im Braunkohlewiderstand einen langen Atem und müssen achtsam nicht nur mit unserer Erde und unserem Klima, sondern auch miteinander umgehen. Ich bedanke ich mich mit meiner Teilnahme am „Run for Your life“ bei allen Menschen, die sich, und das oft schon seit Jahrzehnten, kritisch und unermüdlich mit RWE und den Folgen der Braunkohleförderung- und verstromung für uns Menschen, die Natur und unser Klima auseinandersetzen. Diese Arbeit hier vor Ort ist nicht leicht, denn RWE schafft ein Klima der Angst und versucht den Widerstand zu kriminalisieren. Für mich ist RWE daher ein „Klimakiller“ in zweierlei Hinsicht. Ich definiere den Begriff Klima nicht nur über seinen meteorologischen und klimapolitischen Kontext. Im übertragenen Sinne bezeichnet der Ausdruck „Klima“ auch die „an einem Ort oder in einem sozialen System herrschenden Bedingungen“. Das Klima, in dem wir hier leben, unser Miteinander, ist geprägt von den Einflüssen des Konzerns RWE. Es gibt zahlreiche Interessenkonflikte z.B. zwischen der Stadt Kerpen, den Landwirten und Bürgern, die u. A. geschürt werden durch die Flächenknappheit, die hier herrscht. Die Landwirte brauchen zur Existenzsicherung ihr Land, dessen sie „beraubt“ werden, die Bürger Erholungsflächen und Wald als Ersatz für den wegfallenden Hambacher Forst, der als „Schutzschild“ vor dem voranrückenden Tagebau Hambach und später dem Tagebaurand dienen könnte. Es gibt zahlreiche Verflechtungen und Abhängigkeiten zwischen politischen Vertreter*innen, Verwaltungen und RWE, so dass ich oft das Gefühl habe, dass unsere Bürger*inneninteressen nicht vertreten werden. Es herrscht keinerlei Transparenz über Entscheidungen. Das ist nicht nur auf der regionalen Ebene so, sondern auch auf der Bundesebene. Durch die Lobbyarbeit von RWE wurde in diesem Jahr in Deutschland die Klimaschutzabgabe nicht nur gekippt, sondern nun müssen wir Bürger*innen auch noch mit unseren Steuergeldern die Stilllegungsabgabe, genannt „Kapazitätenreserve“ für veraltete Kohlekraftwerke, die ohnehin nicht mehr rentabel waren, zahlen. In Deutschland blockiert das Festhalten an der fossilen Energiegewinnung und –versorgung die Energiewende! Daher setze ich mich im „Bündnis gegen Braunkohle“ gemeinsam mit weiteren braunkohlekritischen Einzelpersonen und Gruppen für die sofortige und konsequente Einleitung des Braunkohle-Ausstiegs und den konsequenten Umstieg auf dezentrale regenerative Energieversorgung ein. Nur so können wir unsere Schöpfung wahren und Menschen auf der Erde eine lebens- und liebenswerte Zukunft geben.

I run for my three wonderful daughters

I am Antje Grothus and I run for my three wonderful daughters who deserve a healthy environment for their future. My run is also supposed to be a hommage to the resistance against lignite mining. It is hard to imagine: but in our millenium, in which we have a lot of alternatives about how to produce electricity, the energy corporation RWE is determined to dig away the forest, through which the runners before me have come, and the land, on which I am running now, which is precious and fertile agricultural land – all the way to my home village Buir. If we cannot stop RWE, in 10 – 20 years the lignite mine will be a giant hole: 450 metres deep – the Cologne cathedral could fit in three times on top of itself. The pit would have 8500 hectares: that's the size of 12,000 football grounds. My home town would be situated immediately next to the edge of the mine. We are supposed to live a „life near the pit“: with the multiple stresses for the people who live here, with noise pollution, radioactive emissions, pollution with particle matter and other toxines. This is on top of all the other stresses caused by mining: they replaced a six-lane highway so that it now runs right next to the village, with all its noise and emissions; the tracks, where 300 coal trains rattle past every day and night. Not to mention the sinking ground water table, the lost value and the mining-related damages of our house. The Rhineland Coalfield in which I live is a hot spot for CO2 emissions because of the three huge mines and four coal-fired power plants. The energy corporation RWE who runs the mining business is a major contributor to climate change. On one hand time is running and we must „hurry like buffalo“, because the impacts that come with climate change become increasingly unpredictable and unmanageable. On the other hand we, who are fighting locally against lignite mining, need stamina and a long breath; and we must treat not only our planet and our climate with consideration but also the people we live with. With my participation in „Run for your Life“ I want to say thank you to all critical and tireless people, who deal with RWE and the impacts of lignite mining on ourselves, on nature and our climate. Working here in these places is not easy because RWE is creating a climate of fear and tries to criminalize the resistance. For me, RWE is a „climate culprit“ in a double sense of the word: climate is not only about physics and about policies. It is also about the conditions that prevail in a place or in a social system. The climate in which we live here is marked by the impacts of the corporation RWE. There are many conflicts between the municipality of Kerpen, the farmers and the citizens, who are fueled by the scarcity of land. The farmers need land to secure their livelihood, but it is taken away from them; the citizens need the land and the forest for recreation and as a replacement for the Hambach Forest which is about to be clear-cut for the mine. There are multiple dependencies and vested interests among political representatives, the adminstration and RWE, so I often have the feeling that the our interests are not represented. There is no transparancy about decisions. That's not only true on the regional level but also on a national level. With a massive lobby campaign RWE has succeeded in preventing a climate levy for old and dirty power plants that was planned this year; and the result is that they get money from the goverment – from our taxes – for keeping the power plants in reserve. Adhering to fossil energy production is blocking the energy transition in Germany! That's why I stand up for a immediate coal phase-out, and for a consistent change to decentralized and regenerative energy sources. I work together with the „Bündnis gegen Braunkohle“ (coalition against lignite mining) which unites very different groups and individuals who are critical of lignite. Only in this way we can preserve Creation and give people on the planet a future that it worth living and loving for.